Ohne Vision keine Richtung für die Arztpraxis der Zukunft

Schauen wir uns zunächst einmal an, welche Voraussetzungen dienlich sind, eine gute Vision zu formulieren. Sicher sind es mehr als drei. Aber vielleicht gelingt es uns, mit dieser überschaubaren Zahl, den Vorurteilen - denn das sind sie - ein wenig das Wasser abzugraben.

Deine Praxis braucht eine Vision. Natürlich. Jede Praxis braucht eine Vision Das offenbart quasi jeder Ratgeber, der sich mit der inneren Position einer Arztpraxis auseinandersetzt. Im Prinzip ein allgemeingültiger Tipp. Denn eigentlich kommen auch alle anderen Ratgeber, die sich um andere Unternehmen kümmern, zu diesem Schluss.

Dabei kenne ich die gedanklichen Reflexe vieler Ärztinnen und Ärzte. Wenn jemand eine Vision hat, dann doch wohl ein Arzt. In einer Praxis geht es schließlich um die Heilung von Menschen oder zumindest darum, einer Krankheit adäquat zu begegnen. Gibt es eine größere Vision?

Schauen wir uns zunächst einmal an, welche Voraussetzungen dienlich sind, eine gute Vision zu formulieren. Sicher sind es mehr als drei. Doch vielleicht gelingt es uns, mit dieser zunächst überschaubaren Zahl von Vorschlägen, zurecht zu kommen.

Der Weg zur Vision beginnt zunächst mit der aktiven Auseinandersetzung dessen, was wir Bedingungen nennen. Und zwar kennen Bedingungen, denen sich Deine Praxis im Versorgungsmarkt ausgesetzt sieht. Hier haben wir schon einen ersten Unterschied, der dem Reflex nicht gerecht würde, allein von sich auszugehen. Deine Praxis ist eine Organisation, also ein System. Dein Anspruch, Menschen zu heilen oder ihnen mithlife von Therapien, den Umgang mit einer Krankheit zu erleichtern ist eine Haltung, die vor allem mit Deiner Persönlichkeit verbunden ist. Es ist alles andere als selbstverständlich, dass sich Deine exklusiven Gedanken quasi automatisch und zwar täglich auf Deine Praxis übertragen. So sehr Du auch im Einklang bist mit Dir, Deinem Handeln und der Welt insgesamt. Es bleibt solange ein privates Vorhaben, wie Du Deine Vision für Dich behältst. Vielleicht trägst Du Deine Vision schon sehr lange mit Dir herum. Vielleicht seit dem Beginn Deines Studiums der Medizin oder gar seit Kindertagen?

Erste Voraussetzung für die Vision Ihrer Arztpraxis

Du liest diesen Text auf einer Internetseite, die sich um die visonäre Perspektive einer smarten Praxis herum aufbaut. Smart heißt wörtlich übersetzt vor allem eines. Clever oder besser klug. Bestenfalls im Sinne von weise. Selbstverständlich wird das Wörtchen „smart“ allernorts technologisch aufgeladen. Vom Smartphone bis zum Smarthospital scheint heute alles irgendwie smart zu sein. sobald es vernetzt wird.

Ich möchte Dich einladen, das Wort smart zunächst als das zu sehen, was es ist. Die aus dem englisch entliehene Umschreibung für etwas Kluges. Die Vision einer Arztpraxis muss also klug formuliert werden. Weniger im Sinne eines Kniffs während ihrer Entwicklung. Weiße ist der, der tiefer schaut. Also genauer hinschaut.

Es braucht also Zeit. Kreative Eile wäre ein falsche Herangehensweise. Eine Vision ist kein Text mit dem ich kokettieren will. Eine Vision ist auch nicht die Aneinanderreihung von Maßnahmen, die ich plane, irgendwann einmal anzugehen. Die kluge Abwägung machbarer Ziele, die ich aus einem tiefer (Durch)Schauen auf die Zusammenhänge ableite und die ich sinnhaft zu Papier bringe, ist die Vorwegnahme eines idealtypischen Zustands, der mutmaßlich vielleicht nie erreicht werden kann. Dabei geht es nicht um das Werk der Fantasie eines Praxisinhabers durch überzeichnete Ziele. Es geht darum, einen roten Faden erkennbar zu halten, in welche Richtung es gehen soll. Welchen Werten entspreche ich und wie lassen sich die auf mein Vorhaben übertragen?

So lässt sich das Team, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, ärztliche Kolleginnen und Kollegen auf eine Richtung einstimmen, die dem Verfasser am Herzen liegt. So darf auch dieser sich stets an seine klugen Abwägungen erinnert fühlen. Noch smarter wäre es, der Klugheit ihren Raum zu geben und diejenigen, die die Vision in ihren Bann ziehen soll, von Beginn an zum geeigneten Zeitpunkt mit einzubeziehen.

Zweite Voraussetzung für die Vision Ihrer Arztpraxis

Mit der Einbeziehung des Teams kommen wir schon zur zweiten Voraussetzung. Das grundsätzliche Wohlwollen ist wichtig; gegenüber den Menschen, die Deine Praxis repräsentieren und zum fliegen bringen sollen. Sie sind es, die Deine persönliche Vision erst möglich machen. Eine gute Vision kann gemeinsam entwickelt werden. Muss aber nicht. Doch berücksichtigt und inspiriert sie die Menschen, die sie erreichen will.

Würde eine Vision nur die ehrgeizigen Ziele eines einzelnen Visionärs widergibt, lässt sich ein Team nur sehr schwer motivieren und sich auf eine Richtung einstimmen. Diese Liebe zu den eigenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, ist die Grundlage jeder Führung. Ich weiß, liebe ist ein großes Wort. Aber Sympathie reicht eben nicht, denn als Ärztin und Arzt brauche ich die unbedingte Lust, mit Menschen zusammenarbeiten zu wollen.

Dritte Voraussetzung für die Vision Ihrer Arztpraxis

Eine Vision beschreibt, nicht den anzustrebenden Erfolg. Viele Gesundheitseinrichtungen haben sich eingerichtet. Sie richten sich aus nach den Zwängen, die ihnen der Gesundheitsmarkt zumutet. So zumindest die Sicht vieler, die sich veränderungsresistent zeigen und einem wichtigen Aspekt zu wenig Aufmerksamkeit schenken. Der Kreativität. Kreativität ist das Streben, etwas Unfunktionales, vielleicht sogar Hässliches verändern zu wollen.

Mit der hier beschriebenen Kreativität ist nicht die bildende Kunst gemeint. Auch wenn manchmal die Ästethik während einer Modernisierungsoffensive notwendig wird. Ein Facelift der Praxisräume oder der Kommunikationsmittel ist häufig unausweichlich. Kreativität dient oft als Ventil. Sie sucht aktiv nach alternativen Szenarien. Kreativität sucht nach Gestaltung vor allem im konzeptionellen und technischen Sinne. Deshalb hörst Du hier auf der Seite an vielen Stellen etwas über Design. Denn Design umschreibt nicht nur die kreativen, schöpferischen und formgebenden Aspekte von Arbeit. Durch eine zunehmende Komplexität von außen, die einen Wertewandel in Gesundheitsfragen provoziert und die Erosion des traditionellen Vorgehens im Gesundheitsmarkt markiert, müssen wir das kreative Denken bemühen. Das beginnt als allererstes mit der Vision, die Du Deiner Praxis gibst.

Ohne Vision ist alles nichts

Diese drei Bedingungen bilden das Fundament auf dem Du Deine Arztpraxis der Zukunft bauen kannst. Eine Vision spendet Trost, wenn es mal nicht so läuft. Sie beseitigt Unklarheiten, gerade in den Momenten, wenn Du den Überblick verlierst. Sie beantwortet jedes Mal neu die so häufig formulierte Frage: „Warum mache ich das eigentlich alles?“

Je klarer die Vision ist, um so besser kannst Du Dich und andere führen. Sie bietet Ruhe und leitet an zur Sorgfalt. Eine Vision sorgt sich darum, dass Menschen sich ernst genommen fühlen.

Der Anspruch von außen, der eine Arztpraxis erreicht, ist groß und spiegelt sich im Antlitz einer allgemeinen sozialen Verantwortung, die jeder Gesundheitseinrichtung unterstellt wird. Deshalb ist eine Arztpraxis niemals nur Selbstzweck. Eine Arztpraxis, die sich weise, gemeinschaftsbezogen und kreativ im Inneren aufstellt, gibt sich eine Aura, die mit einer Vision beginnt.

Womit fange ich an?

Längst ist klar geworden, dass eine Vision nicht ohne eine (Selbst-)Reflexion funktionieren kann. Die dreht sich um meine persönlichen Wünsche (auch die des Teams), aber vor allem um die Spuren, die ich hinterlassen möchte. Ausgehend von dem Wunsch, Arzt zu werden, muss die Wirkmächtigkeit, die ich mir für meine Arztpraxis wünsche, klar beschrieben werden. Welcher Auftrag ist damit verbunden? Und trifft dieser Auftrag den Kern meines Wesens? Orientiere Dich dabei nicht an Äußerlichkeiten. Was ist Deine Botschaft und im zweiten Schritt die Botschaft des ganzen Teams für die Welt? Auf was kannst Du vertrauen, weil es mit Dir zu tun hat? Mache Dir klar, dass etwas von außen Kommendes, Dir genommen werden könnte? Welchen Beitrag bin ich bereit zu tragen? Orientiere ich mich am Prinzip der Alterozentrierung, also der Hingabe, andere (nicht nur gelegentlich) in den Mittelpunkt zu stellen? Patientenzentrierung ist nicht nur ein Schlaglicht.

Gesundheitsbeziehungen in der Arztpraxis der Zukunft

Eine Arztpraxis steht in Beziehung mit vielerlei Anspruchsgruppen. Eine davon ist man selbst und das mitwirkende Umfeld. Diese Beziehungen zu stärken, ist das, was eine Arztpraxis leisten sollte. Auch und vor allem mit Blick auf die eigenen Patientinnen und Patienten. Gesunde Beziehungen sind das, was es braucht, wenn eine Arztpraxis das Gesundheitsgeschehen mitbestimmen will.

Noch ein wichtiger Vorschlag, bevor Du anfängst. Versuche alles Materielle beim Entwickeln Deiner Vision außen vor zu lassen. Materieller Reichtum mag erstrebenswert sein. Geld zu besitzen, heißt manchmal, dass es einem auch wieder genommen werden kann. Reichtum ist daher etwas Äußerliches, das aus welchen Gründen auch immer, verschwinden kann. Nur eine Vision, in der es um immaterielle Werte geht, vermag zu trösten. Das soll nicht heißen, dass man wirtschaftlichen Erfolg ausklammert. Ich bin allerdings fest der Meinung, dass finanzieller und materieller Erfolg etwas ist, das der Vision folgt. Vor allem dann, wenn sich die Vision gemäß den drei Voraussetzungen zeigt , …

weise,
human,
beweglich.

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Frank Stratmann arbeitet als Mentor und Wissensarbeiter mit Akteuren des Gesundheitswesens. Projekte findet er dort, wo die Anwesenheit des Internets als exogene Quelle für Veränderung und Wandel Gesundheitsunternehmen unangenehm aus der Stresstoleranz kippen lässt.

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Frank Stratmann
Mensch, Wissensarbeiter & Mentor